 - Akribisch arbeitet die JSG Balingen-Weilstetten mit Jugendkoordinator André Doster(rechts) für den Erfolg. Die Nachwuchsarbeit der Schwaben ist vorbildlich. Zu diesem Schluss ist der HBL-Zertifizierungsausschuss gekommen.
Bericht aus dem Zollernalbkurier (DILI)
Konzept geht auf
HBW bekommt HBL-Zertifikat im ersten Anlauf
Die Nachwuchsarbeit des HBW Balingen-Weilstetten ist vorbildlich. Zu diesem Schluss ist der Zertifizierungsausschuss der Handball-Bundesliga (HBL) nach eingehender Prüfung gekommen.
Balingen, 27.12.2008
Erstmals hat die HBL im vergangenen Jahr einen qualitativen Nachweis der Jugendarbeit von ihren Mitgliedern – allen Vereinen in der ersten und zweiten Bundesliga – verlangt. Mit Verzögerung bekam der HBW das Zeugnis, in diesem Jahr wurde es ihm im ersten Anlauf zuteil. Nur neun weitere Klubs in der ersten Bundesliga dürfen sich mit der Auszeichnung schmücken und kommen um eine Strafzahlung herum, die durchaus fünfstellig sein kann. Diese sind die Füchse Berlin, SC Magdeburg, HSV Hamburg, Rhein-Neckar Löwen, SG Flensburg-Handewitt, Stralsunder HV, THW Kiel, TSV Dormagen und TV Großwallstadt. Die acht anderen Erstligisten haben entweder keinen Antrag gestellt oder die Bedingungen nicht erfüllt.
Dass es weniger Klubs sind als im Vorjahr liege an einer Verschärfung des Anforderungskatalogs, vermutet André Doster, der Jugendkoordinator bei der JSG Balingen-Weilstetten, die von den Vereinen HBW und TV Weilstetten getragen wird. Unter anderem müsse es von der E- bis zur A-Jugend mindestens eine Mannschaft geben, die C-, B- und A-Jugendlichen müssten auf der höchstmöglichen Verbandsebene spielen. Vier der fünf Trainer benötigen zwingend die B-Lizenz, je nach Alter sind sechs bis zehn Stunden Training pro Woche Pflicht. Neben den Trainingsinhalten müssen auch die Sportstätten und die medizinische Abteilung von exzellentem Niveau sein, Laufbahnberatung sowie Unterstützung in Schule und Beruf sind vorgeschrieben. Dies alles und noch viel mehr muss lückenlos in Wort und Bild dokumentiert werden – eine Zeit raubende Angelegenheit für Doster.
„Ich halte es für richtig, dass hohe Maßstäbe angelegt werden an die Nachwuchsarbeit. Und die Bundesligavereine müssen mit gutem Beispiel vorangehen“, steht der JSG-Jugendkoordinator und Trainer der A-Jugend hinter dem HBL-Konzept. Allerdings werde es immer schwieriger die Aufgaben zu erfüllen. Seiner Meinung nach müsse es einen Kernbereich geben, an dem keine Abstriche gemacht werden dürften, dafür halte er mehr Flexibilität in anderen Punkten für wünschenswert. Beispielsweise werde ab dem nächsten Jahr gefordert, dass der Leichtathletiktrainer im Besitz einer B-Lizenz ist: „In André Pohl haben wir einen ausgezeichneten Mann mit Erfahrung im Leistungssport, der hervorragende Arbeit leistet.“ Es sei nicht zu begreifen, weshalb seine C-Lizenz plötzlich nicht mehr genügen solle. Zumal im rein handballerischen Bereich alle Voraussetzungen geschaffen seien: Neben Doster, der zwei Mannschaften trainiert, sind noch Werner Nestle und Jens Bürkle im Besitz der B-Lizenz, Alexander Stevic hat den C-Schein in der Tasche und Christian Wahl besucht im kommenden Jahr den Trainerlehrgang.
Doster geht davon aus, dass es auch in Zukunft keine Probleme geben wird, das HBL-Zertifikat zu erlangen: „Es geht nicht darum, eine Strafzahlung zu umgehen, sondern es ist die Philosophie des HBW und des TVW, eine gute Nachwuchsarbeit zu machen.“ Derzeit werden die Kriterien in einigen Bereichen sogar übererfüllt. Die zweite Mannschaft spielt in der Baden-Württemberg-Oberliga und damit höher als gefordert, der zum Saisonende scheidende Trainer Jürgen Lebherz ist A-Lizenzinhaber, dabei reicht schon ein B-Schein. Nicht in Anspruch nehmen muss der HBW die Ausnahmegenehmigungen, die es hinsichtlich der Jugendklassen und der Trainer-Qualifikationen gibt, falls der Verein einen Jugend- oder Junioren-Nationalspieler in seinen Reihen hat. Bei der JSG sind es aktuell mit Felix König und Christoph Foth gleich zwei A-Jugendliche, die den Adler auf der Brust tragen.

Der Zertifizierungsausschuss der Handball-Bundesliga GmbH vergibt das so genannte Jugendzertifikat an folgende Clubs der TOYOTA Handball-Bundesliga
1. Handball-Bundesliga: Füchse Berlin, HBW Balingen-Weilstetten, SC Magdeburg, HSV Hamburg, Rhein-Neckar Löwen, SG Flensburg-Handewitt, Stralsunder HV, THW Kiel, TSV Dormagen, TV Grosswallstadt.
In der 2. Liga Nord erhalten folgende Clubs das Jugendzertifikat: Eintracht Hildesheim, HC Empor Rostock, SV Post Schwerin, TSV Hannover-Anderten, TSV Hannover Burgdorf
In der 2. Liga Süd erhalten folgende Clubs das Jugendzertifikat: EHV Aue, HSG Düsseldorf, ThSV Eisenach, TSG Münster, TV 0507 Hüttenberg, TV Bittenfeld
Die Vergabe des Jugendzertifikates an einige Clubs wurde mit Bedingungen, bzw. Auflagen verbunden. Alle übrigen Clubs haben das Zertifikat nicht beantragt oder haben aufgrund nicht erfüllter Kriterien oder unvollständig eingereichter Anträge das Jugendzertifikat nicht erhalten. Mark Schober, Leiter Marketing und Unternehmensentwicklung: „ In dem unsere Klubs das Jugendzertifikat erwerben, leisten sie einen wichtigen Schritt zur Qualitätssicherung des Handballsports in Deutschland. Wir freuen uns über das starke Interesse am Jugendzertifikat und sind sicher, dass die Akzeptanz noch weiter wachsen wird.“
Was ist das Jugendzertifikat? Es ist ein ligaübergreifendes Gütesiegel, das herausragende Rahmenbedingungen honoriert, die Nachwuchsspieler in den heimischen Klubs zu Gute kommen. Ziel des Jugendzertifikats ist die Sicherung qualitativer und kontinuierlicher Fort- und Weiterentwicklung von Jugendarbeit in den Vereinen, um so für deutsche Nachwuchsspieler bestmögliche Vorrausetzungen zu schaffen, damit sie in ihren Klubs zu Spitzenspielern reifen können.
Um dies noch besser gewährleisten zu können, haben sich im Juni 2007 alle Bundesligisten einstimmig für das Vergabeverfahren des Jugendzertifikates ausgesprochen. Zur Erlangung des Jugendzertifikates werden Kriterien geprüft, die eine Qualitätssicherung, beispielsweise in den Bereichen Mannschaften, Trainer, Training, Betreuung und Ausbildungskonzept, gewährleisten.Geprüft werden diese Kriterien durch einen unabhängigen Ausschuss.
Vereine, die das Jugendzertifikat für die jeweilige Spielzeit nach Prüfung nicht erhalten, oder keinen Antrag gestellt haben, haben sich bereiterklärt, in einen Fond einzuzahlen. Die Mittel des Fonds kommen Projekten zu Gute, welche die Nachwuchsarbeit im Handballsport allgemein fördern. Das können beispielsweise Schulaktionen, Jugendveranstaltungen oder Jugendtrainerfortbildungen sein.
Die Richtlinien, die zur Vergabe des Jugendzertifikates führen, sowie eine Auflistung der Klubs, die das Jugendzertifikat erhalten haben, sind unter www.toyota-handball-bundesliga.de (unter Intern und Formulare und unter Presse einzusehen).

|